ARBEITSKREIS SOCIOLOGY OF THE FAR RIGHT

in der Sektion Politische Soziologie

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**ARBEITSKREIS SOCIOLOGY OF THE FAR RIGHT in der Sektion Politische Soziologie** **Ziele des Arbeitskreises** In dem Arbeitskreis wollen wir uns mit den (fehlenden) Kenntnissen zur Entwicklung des Rechtsextremismus[\[1\]](#) in Deutschland auseinandersetzen und über die Rolle diskutieren, welche die Soziologie dabei einnehmen könnte. Damit stehen die Gefährdungen der Gesellschaft ebenso im Fokus wie die Herausforderungen, die sich daraus für das Fach ergeben. Denn obwohl Rechtsextremismus die Frage nach sozialer Ordnung und gesellschaftlichen Verträgen akut aufwirft, spiegelt die Soziologie den gesellschaftlichen Umgang mit ihm eher wieder als seine gesellschaftliche Hervorbringung und (fehlende) Aufarbeitung zu reflektieren. Dies macht sich besonders auf vier Ebenen bemerkbar: **1. Fehlende soziologische Begriffskonzeptionen und Theorien** Zum einen fehlt es weitestgehend an soziologischen Begriffskonzeptionen und eigenen Theorien zum Phänomen. So werden die verwendeten Begriffsdefinitionen (wie etwa das Verständnis von Extremismus oder von Radikalität) häufig eher verfassungsrechtlichen Konzepten und innenpolitischen Positionen entlehnt und nicht empirisch oder sozialtheoretisch fundiert. Ebenso stehen kaum soziologische Theorien zum Verstehen und Erklären der Entwicklungen und Taten zur Verfügung, weil der Fokus gesellschaftstheoretischer Analysen zumeist nicht auf Prozesse gesellschaftlicher Destabilisierung und Dezivilisierung eingestellt ist. Eher werden Ereignisse und Trends im Rechtextremismus en passant in gesellschaftliche Großtheorien eingefügt, ohne die Eigenständigkeit, die sozialen und historischen Muster, die Kontinuitäten sowie die Aktivitäten des Rechtsextremismus und von teils überlappenden Erscheinungen zu berücksichtigen. Dies ist auch dem Umstand geschuldet (oder hat zur Folge), dass bereits zentrale Unterthemen und relevante soziologische Fachgebiete (z. B. die Gruppensoziologie, Soziologie politischer Gewalt etc., Verschwörungstheorien, Antisemitismus, Antifeminismus, Transformationen des Öffentlichen und die Wahrnehmung von Sprechverboten u. v. m.) innerhalb der Soziologie brachliegen, unterentwickelt sind oder abermals gesellschaftliche Ansichten mehr wiederholen als sie zu erforschen. **2. Methodendefizit und Wissenslücken** Nicht von der schwach ausgebildeten begrifflichen und sozialtheoretischen Auseinandersetzung zu trennen ist eine ebenfalls zu konstatierende gering ausgeprägte methodologische Aufarbeitung des Rechtsextremismus insbesondere im deutschsprachigen Raum. Lange nicht alle relevanten Ebenen und Sinnschichten geraten in den Blick, die Beobachtung und Konzeption von zentralen Erscheinungen (neben bspw. Extremismus und Radikalität trifft dies etwa bereits auf „Einstellungen“ zu) fällt deutlich hinter den Tätigkeiten anderer Disziplinen (z. B. Politikwissenschaft, Kriminologie, soziale Arbeit) und zivilgesellschaftlicher Organisationen (etwa „Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum“) zurück – auch wenn eine Zusammenarbeit mit diesen unerlässlich ist. So fußt dann auch ein Großteil der Forschungsdesiderata auf bereits grundlegende Datenlöcher – der Schock über den NSU-Komplex und dass sich die Soziologie für dessen Aufarbeitung aber bis heute kaum zuständig fühlt, also z. B. weder Gerichtsprozesse noch Untergrundkollektive beobachtet, ist hierfür nur *ein* Beispiel. **3. Curriculare, akademische und berufliche Infrastruktur** In dem Maße, in dem die Soziologie eine Erforschung des Rechtsextremismus fast vollständig benachbarten Disziplinen, staatlichen Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen überlässt, greifen diese ihrerseits auch kaum auf soziologisches Wissen wie auch Personal zurück. Sofern die akademische Soziologie diesen Schwerpunkt aber auch in ihrer Stellenlandschaft und ihren curricularen Strukturen fast nicht kennt, entsteht hier nicht nur ein substantielles Ausbildungsproblem. Auch ist eine ausgesprochen problematische Beschäftigungslage für Soziolog:innen zu beklagen, die sich in diesem Berufsfeld verorten (wollen). **4. Verhältnis der Soziologie zum NS(U)** Ohne historisch sehr verschiedene Situationen vergleichen zu wollen ist doch festzustellen, dass eine Soziologie, die sich umfassend und beharrlich mit faschistischen Entwicklungen und Morden befasst, nicht zum ersten Mal eingefordert wird – mit einem diesbezüglichen Apell ist die Soziologie seit ihrem ersten Nachkriegskongress konfrontiert, ohne ihm je nachgekommen zu sein. Um eine inhaltliche und forscherische Aufarbeitung zu erreichen und sich mit den vorangestellten drei Problembereichen zu beschäftigen, ist es notwendig, sich auch mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es zu dieser speziell soziologischen Trägheit bei gleichzeitig eigentlich hoher fachlicher Zuständigkeit überhaupt kommt. Es sind im Wesentlichen diese Stränge, mit denen sich im Rahmen des Arbeitskreises befasst werden soll. Er geht aus einer Ad hoc-Gruppe („Rechtsterrorismus als Herausforderung für die Gesellschaft und die Soziologie“) beim 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 2020 hervor und verfolgt nun zunächst das Ziel der Aufstellung, d. h. der Sammlung, Sondierung, und Vernetzung zur Auseinandersetzung mit einer Soziologie des Rechtsextremismus in Deutschland, was neben konkreter Rechtsextremismusforschung auch die Ergründung des bisherigen soziologischen Umgangs mit dem Thema meint. Denn nur so kann eine Thematisierung und Verbesserung der strukturellen und wissenschaftlichen Sichtbarkeit und Anerkennung soziologischer Forschungsperspektiven erfolgen. Dabei wurde der Begriff der „Sociology of the far right“ gewählt, um in Anschluss an die internationale Forschungsdebatte unterschiedliche Rechtsaußenerscheinungen und begriffliche Zuordnungen (insbesondere Rechtsradikalismus, -populismus, -extremismus, -terrorismus) zu integrieren und eine Abgrenzung von soziologischen gegenüber behördlichen Verständnissen in Deutschland auszudrücken. --- [\[1\]](#) Wir nutzen Rechtsextremismus als übergreifenden Arbeitsbegriff für Akteur:innen, Einstellungen und Verhaltensweisen, die insbesondere von (ethnozentristischen) Ungleichwertigkeitsvorstellungen, Antipluralismus und reaktionären Gesellschaftsvorstellungen geprägt sind.

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