In den letzten Jahren habe ich mich vielfältig für qualitative Methoden engagiert – ob im Netzwerk Lehrwerkstätten qualitative Forschung, als Mitherausgeberin des Forums Qualitative Sozialforschung (FQS) oder im DFG-Netzwerk Textuelle Performanz der qualitativen Sozialforschung. Mich interessiert dabei, inwiefern die Praktiken der Vermittlung qualitativer Sozialforschung sowie ihre Darstellung in Texten das Wissensgebiet qualitativer Sozialforschung verändern. Dazu gehört auch die in interdisziplinären Zusammenhängen virulent werdende Frage, welche disziplinären Besonderheiten es eigentlich in der soziologischen qualitativen Sozialforschung gibt.
Ich beforsche qualitative Methoden allerdings nicht nur, sondern setze sie auch selber ein – dabei bewegen mich Themen und Phänomene der Ungleichheits- und Bildungsforschung. Zuletzt haben wir in einem Projekt zur Wahrnehmung der Klimakrise von armutsbetroffenen Haushalten mit Interviews, Dokumentenanalysen und partizipativen Elementen gearbeitet. Derzeit beschäftige ich mich mit der Rolle von Materialitäten im Aufbau von Netzwerken am Beispiel der OER in der Lehrer*innenbildung (VICOE).
Seit 2021 bin ich als akademische Rätin für qualitative Methoden an der Bergischen Universität Wuppertal beschäftigt. In diesem Wintersemester 2026/27 werde ich die Professur für Qualitative Methoden in den Sozialwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen vertreten.
Ich würde mich freuen, in einer weiteren Amtsperiode die begonnene Arbeit für die Sektion fortzusetzen, dazu gehören Themen wie die Lehr- und Lernbarkeit qualitativer Forschung, aber auch die Unterstützung von Qualifikationsprozessen im Feld. Ich werde mich für eine Tagung in den nächsten zwei Jahren einsetzen, in der wir gemeinsam in die Praxis der Analyse gehen und uns über diese austauschen. Da wir zwei Kongressjahre (2025 und 2026) bespielt haben, würde ich mir wünschen, dass wir das Jahr 2027 nutzen, um die Interessen der Mitglieder bei den weiteren Planungen in den Mittelpunkt zu stellen.
Weitere Informationen: https://polsoz.uni-wuppertal.de/de/team/ansicht/behrmann/
Meine Beschäftigung mit qualitativen Methoden rührt weiterhin von meinen empirischen und methodologischen Interessen her: Als Körper- und Wissenssoziologe beschäftige ich mich mit Prozessen der Unterscheidung von Menschen, insbesondere in Bezug auf Körper, Geschlecht und Sexualität. Ich forsche hierzu vor allem ethnografisch, arbeite aber im Rahmen von Multi-Method-Designs zunehmend auch mit diskursanalytischen und interviewbasierten Verfahren. Methodologisch interessieren mich weiterhin Fragen der Positionalität von Forschenden im Forschungsprozess, die impliziten Menschenbilder qualitativer Sozialforschung sowie die Rolle des Körpers in der Feldforschung.
In den letzten Jahren hat mich zunehmend die Frage nach der Zukunft der Lehre qualitativer Methoden beschäftigt, insbesondere nach den Möglichkeiten und Grenzen ihrer Vermittlung. Für die Arbeit in der Sektion ist mir vor allem die Pluralität innerhalb der qualitativen Forschung wichtig, aber auch der Austausch mit den anderen Säulen unseres Faches, Theorie und quantitativ-statistischer Sozialforschung. Die Veränderungen, die Digitalisierung und KI für qualitative Forschung mit sich bringen, halte ich für Chancen und möchte sie offen diskutieren; dabei will ich zugleich die Bedeutung von Begegnung und zwischenmenschlicher Verständigung als Grundlage unserer Forschung im Blick behalten. In einer dritten Amtszeit möchte ich diese Diskussionen gerne weiterführen.
Weitere Informationen: https://koerper.soziologie.uni-mainz.de/jun-prof-dr-tobias-boll/
Ich forsche zu Gewalt, Konflikt und Moral – mit einem Schwerpunkt auf der qualitativen Analyse institutioneller Praktiken. Methodisch arbeite ich vor allem mit (Gerichts-)Ethnographie sowie Textanalyse, insbesondere der Membership Categorization Analysis. In diesem Zusammenhang interessieren mich die Situationsanalyse (im Anschluss an Grounded Theory) und ethnomethodologische Perspektiven.
In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich die Wissensproduktion in deutschen Gerichtsverfahren zu jihadistischem Terrorismus. Dabei analysiere ich, wie Deutungsmacht hergestellt wird und wie sich daran moralische Ordnungen im Verfahren ausrichten. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit dem Verhältnis qualitativer Methoden zum Mikro-Makro-Problem.
Für die Arbeit in der Sektion sind mir der Austausch über Reflexivität im Forschungsprozess und Qualitätssicherung in der qualitativen Sozialforschung sowie Methodenlehre unter Bedingungen zunehmender KI-Nutzung besonders wichtig. Als ehemaliges Mitglied des Studentischen Beirats des Vorstands der DGS und Mitbegründerin des Doktorand*innen-Netzwerks der Sektion setze ich mich für Nachwuchsförderung und statusgruppenübergreifenden Austausch ein.
Weitere Informationen: ekvv.uni-bielefeld.de/pers_publ/publ/FrancaHeuer
In meiner Forschung und Lehre widme ich mich kriminalsoziologischen Forschungsthemen stets aus einer qualitativ-interpretativen Perspektive. Mich interessiert, wie Problemwissen in Bezug auf soziale Abweichung institutionell aufgegriffen und ko-produziert wird und wie sich dieses dann mit dem Erfahrungswissen der adressierten Subjekte weiterträgt. Konkrete Phänomene, die ich bearbeite, liegen im Bereich der (kritischen) Extremismusforschung, Jugenddelinquenz und Gefängnisforschung. Komplementär dazu werden qualitativ-interpretative Verfahren auch zum Gegenstand meiner Forschung. Dabei interessieren mich Besonderheiten qualitativ-interpretativer Verfahren im Kontext der Kriminalsoziologie und ihr Beitrag zur Aufrechterhaltung problematisierender Wissensmuster.
Durch mein Walter-Benjamin-Stipendium, welches mich nach Kanada für ein ethnografisches Forschungsprojekt führt, interessiere ich mich auch für den Einsatz qualitativer Verfahren im Kontext internationaler Vergleiche. Seit einigen Jahren gebe ich für das GESIS-Institut Workshops zur Durchführung qualitativer Interviews und erlebe ein großes interdisziplinäres Interesse an qualitativen Verfahren. Dabei ist es mir jedoch ein besonderes Anliegen, dass die Ansprüche qualitativer Methoden eingehalten und berücksichtigt werden.
Besonders wichtig ist mir für die Sektionsarbeit, die Anliegen des sogenannten Mittelbaus im Vorstand einzubringen und über den interdisziplinären Einsatz qualitativer Verfahren sowie über eine zunehmende Verworkshopisierung qualitativer Methoden kritisch nachzudenken. Ein weiteres Anliegen wäre mir, den Beitrag qualitativer Methoden und Methodologien in autoritären Zeiten gemeinsam zu thematisieren.
Weitere Informationen: https://ekvv.uni-bielefeld.de/pers_publ/publ/PersonDetail.jsp?personId=363541496
Für den Vorstand der Sektion bewerbe ich mich mit drei inhaltlichen Zielen: erstens möchte ich konstruktiv die laufende Diskussion zu Künstlicher Intelligenz (KI) als Assistenz in der qualitativen Sozialforschung aufgreifen und beispielsweise bei Sektionstagungen Raum schaffen, um KI-Nutzung unter epistemologischen und methodologischen Gesichtspunkten in unterschiedlichen qualitativen Methoden weiterzuentwickeln. Mein zweites Anliegen ist die 2018 von Strübing et al. angestoßene wichtige Diskussion zu gemeinsamen Gütekriterien für Methoden der empirischen Sozialforschung fortzuführen, wozu ich federführend einen Vorschlag im gemeinsam mit Oliver Wieczorek und Isabel Steinhardt Open Access veröffentlichten Handbook of Qualitative and Quantitative Content Analysis. Introduction to Classical, Digital, AI-supported, and Automated Data Analysis erarbeitet habe. Mein drittes Anliegen ist Methodenvielfalt und -integration sowie die Anschlussfähigkeit qualitativer Methoden, dem ich u. a. in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Mixed-Methods nachgehen möchte.
Das 2026 erschienene Handbook (623 Seiten), eine substanzielle Weiterentwicklung der ebenfalls Open Access erschienen deutschsprachigen Handbuch-Ausgabe (2022, 483 Seiten), steht für meine langjährige und intensive Auseinandersetzung mit qualitativen Methoden und deren Lehre. Das Besondere ist, dass beide Ausgaben eine Einführung in die Inhaltsanalyse gemäß dem interpretativen Paradigma bieten. In meiner Forschung zu Wissensorganisationskulturen, mit Schwerpunktthema Hochschul- und Wissenschaftsforschung, verwende ich mit Gruppendiskussionen, Interviews (z. B. Expert*innen-, diskursive und narrative Interviews), teilnehmende Beobachtung und, selbstverständlich, qualitativer Inhaltsanalyse ein breites Spektrum an qualitativen Methoden. In der Forschung lege ich sehr großen Wert auf Theorie und entwickle Theorie basierend auf qualitativer empirischer Sozialforschung.
Weitere Informationen: https://www.uni-kassel.de/forschung/incher/personen/team/personensteckbrief.html?tx_ukpersons_personfunctiondetail%5BpersonFunction%5D=620&cHash=c991f0030cb40eb234c33f728697ce46